Hochwasserschutz jetzt verbessern

Konsequenzen aus der Flutkatastrophe ziehen

29 . 07 . 2021

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW ist eine nationale Tragödie. Mehr als 180 Menschen sind ums Leben gekommen, Zehntausende haben ihr Zuhause und damit ihre Heimat verloren, die materiellen Schäden werden sich schätzungsweise im zweistelligen Milliardenbereich bewegen. Die Bewältigung dieser Katastrophe und der Wiederaufbau werden unser Land und vor allem die betroffenen Menschen und Regionen Jahre beschäftigen.

Die jüngste Katastrophe unterstreicht die Dringlichkeit und Notwendigkeit konsequenten Klimaschutzes. Global ist die Temperatur bereits um über 1 Grad gestiegen - aber was wir heute schon erleben, wäre bei einer ungebremsten Klimakrise nur der Anfang. In der Klimakrise gibt es kein „neues Normal", nur immer weitere Eskalation.

Die dramatischen Überschwemmungen insbesondere in der Eifel haben den Hochwasserschutz wieder in den Fokus gerückt – wie zuvor bereits die verheerenden Hochwasser 1997, 2002 und 2013. Schäden durch so extreme Starkregen und Hochwasser-Ereignisse, wie sie an Ahr, Erft und z.T. kleinen Zuflüssen aufgetreten sind, werden sich auch durch die beste Hochwasserprävention nie vollständig vermeiden lassen. Dennoch kann und muss die Hochwasservorsorge deutlich gestärkt werden, um Todesfälle, Verletzte und Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und der Natur künftig so gut wie möglich zu verhindern.

Unsere Forderungen:

  • Hochwasserrisiken müssen neu bewertet werden, denn die Klimakrise verschiebt die Maßstäbe. Die bisher angenommenen Risiken und Gefahren selbst von extremen Hochwassern wurden vom tatsächlichen Ausmaß der Überschwemmungen an Ahr, Erft und Zuflüssen weit übertroffen. Umfang und Örtlichkeiten für gefährdete Gebieten müssen an Hand der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Modellierungen überprüft und aktualisiert werden. 
  • Es ist wichtig, dass Behörden, freiwillige Helferinnen und Helfer und die Bevölkerung wissen, wie sie sich im Hochwasserfall verhalten müssen – und wie man langfristig für den Ernstfall vorsorgen kann, wenn man in einem Risikogebiet lebt. Sinnvoll sind flächendeckende kommunale Hochwasser-Audits und regelmäßige Informationen der Bevölkerung, etwa per Übung in Schulen oder Betrieben. 
  • Insbesondere für die Gebiete mit dem höchsten Hochwasserrisiko, den sogenannten Überschwemmungsgebieten, müssen die bestehenden Regelungen zum Schutz von Mensch, Kultur und Wirtschaft auf den Prüfstand. Zugleich muss die Infrastruktur angepasst werden. 
  • Intakte Ökosysteme tragen dazu bei, die Folgen von Starkregen und Hochwasser abzumildern. Naturschutz kann zugleich Klimaschutz und Hochwasserschutz sein. Das vorrangige Ziel einer vorsorgenden Hochwasserpolitik muss sein, Wasser in der Landschaft zu halten. Wo Wasser natürlich versickern kann und gespeichert wird, wo Bäche und Flüsse frei fließen, können Flutkatastrophen abgeschwächt werden. Denn die Fließgeschwindigkeit wird durch natürliche Hindernisse wie Mäander und Auengebiete begrenzt. 
  • Ergänzend zum ökologischen Hochwasserschutz sind häufig auch Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes notwendig, um bestehende Siedlungen zu schützen. Dazu können Rückhaltebecken auch in Seitentälern oder Rückverlagerungen und Ertüchtigung von Deichen ebenso gehören wie Wälle, die Regenwassermassen um Ortschaften herum leiten oder das Bereithalten von mobilen Hochwasserschutzwänden.
  • Wir brauchen zudem einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung und städtebaulichen Entwicklung: Klimafeste Schwammstädte, die Wasser speichern können, müssen als Schwerpunkt der Städtebauförderung vorangebracht werden. Entsiegelung und die Wasseraufnahmekapazitäten der Böden spielen dabei eine wichtige Rolle.

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