Pfand drauf!

Wir brauchen jetzt gesetzliche Voraussetzungen für mehr Pfandlösungen.

22 . 12 . 2020

Die Klimakrise zu stoppen heißt auch Schluss zu machen mit Ressourcenverschwendung. Pfandsysteme sind die Grundlage dafür, dass Metalle, Plastik oder alte Elektronik sortenrein gesammelt und zu neuen Produkte gemacht werden. Eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag der Bundestagfraktion zeigt: Pfand schützt die Umwelt vor Müll und Schadstoffeinträgen, steigert sortenreine Sammelmengen, ermöglicht hochwertiges Recycling und fördert ein recyclingfreundliches Produktdesign. Wir wollen jetzt die gesetzlichen Grundlagen schaffen, um solche Ansätze in der Breite zu verankern.

Pfand auf Getränkeflaschen kennt jeder. Aber Pfandsysteme sind in Deutschland oder unseren Nachbarländern weiter verbreitet, als man vielleicht zuerst denkt. Die Studie zeigt: Es gibt oder gab Pfandsysteme für Batterien, Autos, Coffee-To-Go-Becher und Kosmetikverpackungen. In Frankreich und Großbritannien läuft derzeit ein Test, in dem typische Standardartikel eines Supermarktes wie Nudeln, Gewürze, Olivenöl, Ketchup, Erdnussbutter, Schokolade, Nüsse, aber auch Handseife, Glasreiniger und Badesalz in Pfandbehältern als Lieferdienst angeboten werden.

Pfand schützt die Umwelt vor Müll und Schadstoffeinträgen

Pfand kann Littering und Schadstoffeinträge in die Umwelt vermeiden. Dies ist besonders relevant bei Produkten wie Batterien, die ätzende Chemikalien oder brandgefährliches Lithium enthalten können, oder Verpackungen von gifthaltigen Gütern wie Farben oder Pestiziden. Gerade hier wird der Vorteil von Pfandsystemen besonders deutlich: Während hohe Entsorgungsgebühren dazu führen können, dass die illegale Entsorgung von Müll und damit eine unkontrollierte Umweltverschmutzung zunimmt, setzen Pfandsysteme einen finanziellen Anreiz, Materialien zur Wiederverwendung zurückzugeben – und somit richtig und zum Nutzen der Umwelt zu entsorgen.

Pfand steigert sortenreine Sammelmengen

Pfandsysteme können dazu beitragen, die Sammelmengen deutlich zu steigern. Die Erfahrung mit Pfandsystemen für Einweg-Getränkeverpackungen in der EU zeigt: Die durchschnittliche Erfassungsquote liegt bei 91 Prozent.

Pfand ermöglicht hochwertiges Recycling

Pfandlösungen sorgen dafür, dass sortenreine Materialströme entstehen, die die Voraussetzung für ein hochwertiges Recycling sind. Ohne Pfand würden diese Produkte in der Regel verbrannt oder in minderwertigeren Plastikprodukten wieder eingesetzt.

Pfand fördert recyclingfreundliches Produktdesign

Die Einführung des Pfands auf Dosen und Einwegplastikflaschen in Deutschland hat dazu beigetragen, die Recyclingfähigkeit von Getränkeverpackungen deutlich zu verbessern, weil sich solche Maßnahmen durch die deutlich erhöhte Rücklaufquote schneller rechnen. Pfandsysteme können bei Verpackungen beispielsweise dazu beitragen, die verwendeten Kunststoffe zu vereinheitlichen und so letztlich die Recyclingfreundlichkeit der Verpackungen zu verbessern.

Digitalisierung als Treiber für Pfandsysteme nutzen

Digitalisierung und insbesondere die Blockchain-Technologie können ein wesentlicher Treiber für die Etablierung von staatlichen und privatwirtschaftlichen Pfandsystemen sein. Die Blockchain-Technologie kann die Erhebung und Rückerstattung von Pfand radikal vereinfachen. Solche Pfandsysteme könnten komplett bargeldlos funktionieren und würden sogar ohne komplizierte Clearing-Mechanismen auskommen.

Privat oder staatlich - welche Pfandsysteme funktionieren besser?

Pfandsysteme können privatwirtschaftlich sein, etwa wenn einzelne Akteure eigene Anreizsysteme für die Rückgabe von Produkten und Materialien setzen, wie die Beispiele MAC und LUSH zeigen. Aber auch Mehrwegangebote wie Recup oder Loop sind privatwirtschaftliche Pfandsysteme. Private Pfandsysteme können aufgrund von Unternehmenszielen etabliert werden. Aber auch der Staat kann sie fördern – etwa durch Recyclingvorgaben, Rezyklateinsatzquoten, Abfallvermeidungsziele. Pfandsysteme können auch vom Staat aufgebaut werden – wie beispielsweise das deutsche Einwegpfand. Staatliche Pfandsysteme helfen, Fehlentwicklungen zu korrigieren oder Marktversagen auszugleichen, etwa bei Verpackungen, die umweltschädliche Substanzen enthalten wie Farbdosen oder Behältern für Pflanzenschutzmittel; bei To-go-Verpackungen, die erheblich zum Abfallaufkommen beitragen; oder bei Elektrogeräten wie z.B. Handys oder Batterien, die wertvolle Rohstoffe enthalten, die verloren gehen, wenn sie nicht sortenrein gesammelt werden.

Jetzt gesetzliche Grundlagen schaffen

Die Studie zeigt: Wir brauchen Pfandsysteme, um Materialien ein zweites und drittes, oder besser noch, Tausend Leben zu ermöglichen. Sie sind die Grundlage dafür, dass Metalle, Plastik oder alte Elektronik sortenrein gesammelt und zu neuen Produkte gemacht werden.

Besonders krass ist heute die Ressourcenverschwendung beim Plastik. Das Ziel muss sein, dass künftig keine Plastikverpackung mehr verbrannt wird. Erste Tests aus Frankreich und Großbritannien zeigen eine Richtung auf, wie ein Supermarkt mit bepfandeten Mehrwegverpackungen funktionieren kann. Die Bundesregierung muss jetzt die gesetzlichen Grundlagen schaffen, um solche Ansätze in der Breite zu verankern.

Ein anderer wichtiger Bereich sind alte Smartphones oder Tablets: Rund 200 Millionen Handys verstauben in deutschen Schubladen. Ein Pfand in Höhe von 25 Euro auf neue Smartphones und Tablets, wäre ein deutlicher Anreiz um alte Geräte wieder zurückzugeben.

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