Fachgespräch Allergien

Sachverständige fordern bessere Aufklärung und Prävention

30 . 11 . 2020

Auf Initiative der Grünen Bundestagsfraktion hat der Gesundheitsausschusses eine Anhörung zum Thema Allergien durchgeführt, bei der auch der Antrag „Die hohe individuelle und gesellschaftliche Belastung durch Allergien mit einem Aktionsprogramm reduzieren und die Versorgungssituation der Allergikerinnen und Allergiker verbessern" beraten wurde.

Allergien haben den Rang einer Volkskrankheit erreicht. Heute sind 30 Prozent der Bevölkerung von Allergien, Neurodermitis, allergischem Asthma, Lebensmittel- oder Pollenallergien betroffen. Damit verbunden sind ein hoher Leidensdruck für die Betroffenen und Familien.

Die Anhörung hat gezeigt: Es ist absehbar, dass die Verbreitung allergischer Erkrankungen zunehmen wird. Trotzdem wird die Bedeutung von Allergien im Gesundheitswesen und als volkswirtschaftliche Belastung unterschätzt. Die Versorgung der Allergiker*innen ist unzureichend, nur ca. 10 Prozent erhalten eine angemessene leitliniengetreue Behandlung. Nicht erkannte und unzureichend behandelte allergische Erkrankungen verursachen durch eine verminderte Arbeitsleistung indirekte jährliche Kosten, die auf 55 bis 151 Milliarden Euro geschätzt werden.

Die Expertin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann wies darauf hin, dass Umweltfaktoren wie Umweltschadstoffe aber auch die Klimakrise einen deutlichen Einfluss auf die Entstehung und Verlauf allergischer Erkrankungen haben. Luftschadstoffe machen Atemwege und Haut empfindlicher und begünstigen die Entwicklung von verschiedenen allergischen Erkrankungen. Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der Allergikerinnen und Allergikern bis 2025 auf 50 Prozent der Bevölkerung ansteigen.
Die meisten Expertinnen und Experten betonten in der Anhörung, dass in Sachen Allergien ein dringender Handlungsbedarf auf mehreren Feldern besteht: in der Ausbildung und Fortbildung der Ärzte, im Verbesserten Zugang zur Diagnostik und kostenfreien Medikamenten und Basistherapie von Betroffenen von Allergien und Neurodermitis. Mit einem interdisziplinärem Disease-Management-Programm Allergien kann eine Grundlage für eine effektive, umfassende Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Allergien, Asthma und Neurodermitis gelegt werden.

Diese Expertisen bestätigen unsere Forderung nach einem umfassenden Aktionsprogramm Allergien mit folgenden Schwerpunkten:

  • Der Bagatellisierung der Allergien muss mit besserer Aufklärung begegnet werden.
  • Schutz der Bevölkerung vor Allergenen verbessern und die Prävention insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sowie im beruflichen Umfeld ausbauen,
  • Lebensqualität und Versorgung der Allergiker*innen verbessern mit einem umfassenden interdisziplinärem Disease-Management-Programm Allergien und besserem Zugang zu effektiven Behandlungskonzepten wie der Spezifischen Immuntherapie (SIT)
  • Ausbau der Forschung zur Prävention und wirksamen Behandlungskonzepten im Bereich Allergien
  • die Allergenbelastung in Kinderspielzeug und Schulmaterialien muss gestoppt werden

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