"Die Ausdauernde"

Ein Portrait von Bettina Hoffmann MdB

30 . 09 . 2020

Vom Ressourcenschutz bis zu gesunder Ernährung und Alltagsgegenständen ohne Gift reicht Bettina Hoffmanns politisches Programm. Das Zauberwort heißt Nachhaltigkeit.

Auch diesen Sommer lässt sie sich nicht vermiesen. Bettina Hoffmann genießt ihn an ihrem Lieblingsort: im Freien. Ob bei der Gartenarbeit, beim Schwimmen oder Wandern – die nordhessische Landschaft bei Kassel, wo die 60jährige Umweltpolitikerin lebt, ist dafür wie geschaffen. Sie weiß, dass sie privilegiert ist, gerade in diesen Zeiten. Leben mit der Natur und zugleich für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen sorgen, das geht bei ihr Hand in Hand. Dass durch die Corona-Krise die Umweltthemen ins Hintertreffen geraten könnten, diese Sorge teilt sie nicht. Im Gegenteil: „Nach und nach kommen jetzt die Schnittstellen zu unserer Lebensweise ans Licht, Probleme in der Landwirtschaft, in der Tierhaltung, in der Art, wie wir mit unserer Umwelt umgehen", erklärt sie. Als Sprecherin der Fraktion für Umweltpolitik und Umweltgesundheit will sie aufzeigen, dass alles mit allem zusammenhängt.

„Unsere Art zu wirtschaften steht infrage." Ihre Forderung an die Bundesregierung, die Wirtschaftspolitik jetzt stärker an den Nachhaltigkeitszielen auszurichten, formuliert sie freundlich, aber entschieden. Die BürgerInnen seien schon bereit für Veränderung. Viele sind mit dem Rad unterwegs, schätzen elementare Dinge wie gesunde Ernährung oder saubere Umwelt wieder höher ein. Und das könnte durchaus ein nachhaltiger Effekt sein, glaubt sie. Denn auch abseits von Corona gibt es Probleme, die den Menschen unter die Haut gehen: Der Dieselskandal hat ein Schlaglicht auf die Luftverschmutzung in unseren Städten gelenkt, zunehmend mehr Menschen leiden an Allergien. Unerschütterlich wiederholt sie ihr Mantra: für mehr Nachhaltigkeit sorgen, Kreislaufwirtschaft voranbringen, gesunde Lebensbedingungen schaffen – da kann man ganz viel machen. Von den Mühen der Ebene ist bei ihr keine Rede.

 

 


Ihr Entdeckergeist wird früh geweckt. Bettina Hoffmann wächst auf dem Land bei Bad Hersfeld auf, als Kind genießt sie große Freiräume, streift durch Wald und Feld. Ihr Vater, der als Mechaniker bei Siemens an der Entwicklung der ersten Computer mitarbeitet, führt sie und ihren Bruder an technische Fragen heran. Ihr Interesse an der Natur und die Umweltbewegung der 80er Jahre, Waldsterben und saurer Regen, aber auch die Folgen des Kaliabbaus in ihrer Region bündeln sich in dem Entschluss, Biologie zu studieren. Das Studium schließt sie mit der Promotion ab, ein Forschungsstipendium führt sie für einige Monate nach Tokio. Ein einjähriges Stipendium für die USA schlägt sie aus, entscheidet sich für Familie und eine Tätigkeit als Laborleiterin in der medizinischen Diagnostik. Später betreibt sie zusammen mit ihrem Mann eine Agentur, die Konzepte für Umweltbildung und Regionalentwicklung erarbeitet.

Als Politikerin ist sie an Lösungen interessiert. „Ich will dabei sein, wo Entscheidungen getroffen werden, die uns voranbringen." Aus diesem Grund zog es sie auch in den Bundestag. Zwanzig Jahre lang war sie zuvor ehrenamtlich in der Kommunalpolitik aktiv, die Mitarbeit an der Lokalen Agenda brachte sie zu den Grünen. „Die Lokalpolitik ist spannend", sagt sie, „man sieht direkt die Auswirkungen auf das tägliche Leben. Aber in der Bundespolitik sind die Rädchen natürlich nochmal größer, an denen man drehen kann." In ihrer Position als umweltpolitische Sprecherin laufen die Fäden, an denen sie lange gesponnen hat, zusammen – ein Glücksfall, das ist ihr ins Gesicht geschrieben. „Ich will Dinge umsetzen, nicht nur Probleme benennen – im besten Fall natürlich in einer Regierungsbeteiligung", sagt sie verschmitzt. „Ich will, dass wir große Schritte machen in der ökologischen Transformation. Und ich habe auch die Ausdauer und die Kraft dazu."

Ihre Kraftquelle war und ist die Natur ihrer Heimatregion im Schwalm-Eder-Kreis. Hatte sie schon mal die Vorstellung ganz woanders zu leben? Durchaus. Als Abiturientin wollte sie zu einem Auslandsjahr nach Frankreich, dass daraus nichts wurde, bedauert sie noch heute. Dem Reisen gehört ihre Leidenschaft, am besten spontan und zu neuen Zielen. Sie liebt die Berge und das Meer, begeistert sich für ihre Farben und Formen. Offen zu bleiben für neue Impulse und der kritische Austausch mit anderen, das ist für sie unverzichtbar. So hält sie es in der Familie wie in ihrem politischen Umfeld.

Dieses Portrait von Bettina Hoffmann erschien zuerst in der Profil:GRÜN (Ausgabe 09/2020), dem Magazin der Bundestagsfraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN. Text: Gisela Hüber, Foto: Stefan Kaminski.