Besuch im VW Werk Kassel

Jetzt Strategien für eine Transformation in Nordhessen entwickeln!

01 . 09 . 2020

Zum Besuch des VW Komponentenwerk Kassel am 31.8.2020 erklärt Dr. Bettina Hoffmann

VW ist in meiner Region mit ca. 16.500 Mitarbeitenden einer der bedeutendste Arbeitgeber. Die Werksführung zu den neuen alternativen Antrieben war hoch spannend. Man spürt eine Aufbruchstimmung, doch leider wird es noch eine Weile dauern bis reine E-Autos von VW auf unseren Straßen so sichtbar sind wie einst Golf und Passat mit Benzin oder Dieselantrieb. Übergangsweise setzt VW noch für einige Jahre auf die Hybridtechnik. Aus betrieblicher, organisatorischer und technischer Sicht vielleicht nachvollziehbar, mit Blick auf die Umwelt und die Konkurrenz sehr schade. Die Zeichen der Zeit weisen in eine andere Richtung. Es gibt eine Vielzahl von Herausforderungen, Corona mal ausgenommen: Digitalisierung, autonomes Fahren, Umweltschutz, Industrie 4.0 und Kreislaufwirtschaft. Für ein Komponentenwerk klassischer Art in der Autobranche die größte Herausforderung ist, dass ein „normales Auto" für den Antriebsstrang ca. 1400 Teile benötigt und ein E-Auto ca. 210 Teile. Die Gewerkschaftsvertreter*innen äußerten in der Diskussion zurecht die Sorge um einen deutlichen Rückgang der Arbeitsplätze in den nächsten Jahren. Die heute Beschäftigten sind dabei relativ sicher in ihren Jobs. In der Zukunft droht für Nordhessen jedoch nach Prognosen der Uni Kassel unter Annahme des Rückgangs von 5000 Arbeitsplätzen ein Verlust an Einkommen in der Region von 320 Mio. Euro pro Jahr. Das wird sich deutlich auf alle anderen Wirtschaftsbereiche vor allem Dienstleistung auswirken.
Daher müssen wir jetzt Strategien für die Region entwickeln, um Arbeitsplätze zu schaffen und die sozial-ökologische Transformation im Sinne der Nachhaltigkeit vor Ort engagiert angehen.
Die Forderung der Gewerkschaften nach einer nordhessischen Plattform zur Transformation mit allen wichtigen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterstützte ich daher sehr.