Anhörung zu hormonstörenden Chemikalien

Deutschland braucht einen nationalen Aktionsplan, um seine Bevölkerung zu schützen

17 . 06 . 2020

Zur heutigen Anhörung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestags zum Antrag "Belastung durch hormonstörende Chemikalien beenden" der Bundestagsfraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN erklärt Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltpolitik und Umweltgesundheit:

„Deutschland braucht einen nationalen Aktionsplan, um seine Bevölkerung von hormonstörenden Chemikalien zu schützen. Dies ist das Ergebnis einer Experten-Anhörung im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags.

Die dramatischen Auswirkungen von hormonstörenden Stoffen auf Mensch und Umwelt sind hinreichend bekannt. Ihre Verharmlosung aus rein wirtschaftlichem Interesse muss endlich ein Ende haben. Jetzt muss es allein darum gehen, unsere Kinder und Jugendlichen vor diesen Stoffen zu schützen.

In der Anhörung wurde deutlich, dass beim Gesundheitsschutz, vor allem von Schwangeren und Kindern, Deutschland weit hinter Ländern wie Frankreich, Belgien oder Dänemark zurück liegt. Gerade weil auf EU-Ebene die Regulierung von EDCs entweder noch nicht existiert oder sehr schleppend voranschreitet, bedarf es umso mehr der Initiative auf deutscher Ebene.

Der Experte Prof. Dr. Andreas Kortenkamp von der Brunel University London bekräftigte insbesondere den Zusammenhang zwischen hormonstörenden Stoffen und männlicher Fortpflanzungsfähigkeit. Bei Männern in Nordamerika, Europa und Australien haben in den letzten Jahrzehnten die Spermienzahlen um ca. 50 Prozent abgenommen. Neue epidemiologische Studien zeigen, dass Bisphenol A, Phthalate, Dioxine oder bestimmte Schmerzmittel zu minderer Spermienqualität und Entwicklungsstörungen wie Hodenhochstand führen können.
Aus Sicht vieler Experten sollte die Bundesregierung deshalb eine nationale Strategie zur Minderung der Belastung durch endokrine Disruptoren umsetzen, wie die Grüne Bundestagsfraktion sie im Antrag "Belastung durch hormonstörende Chemikalien beenden" vorschlägt.

Nötig sind unter anderem die Finanzierung von Aufklärungskampagnen, die Veröffentlichung einer kontinuierlich aktualisierten Liste von identifizierten oder verdächtigen hormonstörenden Chemikalien sowie regelmäßige Analysen von Importprodukten auf verbotene hormonstörende Chemikalien.

Wenn bei Produkten Grenzwerte überschritten oder verbotene hormonstörende Chemikalien nachgewiesen werden, sollen sie durch konsequente Rückrufe aus dem Verkehr gezogen werden. Deutschland sollte darüber hinaus seinen rechtlichen Spielraum nutzen und etwa Bisphenol A in Lebensmittelbedarfsgegenständen verbieten, wie in Frankreich bereits erfolgt."

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