Chemikalien in Kassenbons

BPA-Ersatzstoffe auch nicht unbedenklich

24 . 12 . 2019

Ab dem 1.1.2020 tritt nicht nur eine Bonpflicht in Kraft, zusätzlich ist auch der Einsatz der hormonstörenden Chemikalie Bisphenol A als Farbentwickler in Bons verboten.

Bettina Hoffmann hat dies als Anlass genommen, Deutschlands größte stationäre Einzelhändler zu fragen, ob sie in ihren Filialen ab dem 1. Januar 2020 darauf verzichten, jegliche phenolhaltige Kassenbons einzusetzen. Die Auswertung der Antworten hat ergeben, dass 18 Einzelhändler ab dem 1.1.2020 auf komplett phenolfreie Kassenbons setzen, das entspricht 75 Prozent der eingegangen Antworten. Ein Einzelhändler hat geantwortet, dass seine Kassenbons frei von Bisphenol A und Bisphenol S ist. 5 Einzelhändler setzen auf Kassenbons, die lediglich frei von Bisphenol A sind. 29 Prozent haben geantwortet, dass sie die Chemikalie Pergafast verwenden.

Dr. Bettina Hoffmann MdB kommentiert diese Ergebnisse wie folgt:

"Die Debatte um Kassenzettel bringt noch mal ein anderes Problem auf den Tisch: Wir sprechen wieder über die Farbentwickler, mit denen das Thermopapier funktioniert.

Der Umgang mit Chemikalien im Thermo-Kassenpapier zeigt exemplarisch die Missstände im heutigen Chemikalienrecht auf.
Wird eine besonders risikoreiche Chemikalie wie Bisphenol A verboten, tritt an ihre Stelle eine chemisch sehr ähnlich Substanz wie Bisphenol S oder ein weniger erforschter Stoff wie Pergafast. Pergafast ist nachweislich nicht gut für die Umwelt. Für den Menschen scheint es weniger schädlich zu sein als Phenole, insgesamt ist es aber viel zu wenig erforscht.

Es darf nicht sein, dass die Chemiebehörden von den Herstellern wichtige Tests nachfordern, während diese den Stoff schon massenweise einsetzen. Wir brauchen ein besseres Chemikalienrecht, um dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Chemieproduzenten und Herstellern zu beenden. Unternehmen, die ihre Chemikalien unvollständig registrieren und den Behörden Tests vorenthalten, müssen künftig mit empfindlichen Sanktionen belegt werden.

Das Chemikalienrecht muss stärker auf die Regulierung ganzer Stoffgruppen ausgerichtet werden. So kann verhindert werden, dass toxische Chemikalien nach einem Verbot einfach durch ihre chemischen Geschwister ersetzt werden.

Die gute Nachricht ist, dass komplett chemiefreie Kassenbons am Markt verfügbar sind. Es ist erfreulich, dass es bereits Einzelhändler gibt, die diese auch einsetzen wollen. Künftig muss dies die Regel sein. Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die dafür sorgt, dass unbedenkliche Material-Alternativen auch eingesetzt werden, wenn sie am Markt verfügbar sind. Das treibt Produktinnovationen in die richtige Richtung."

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