Grüner Wirtschaftskongress

Paneldiskussion: „Das Ende vom Müll: Produkte als Rohstofflager?"

29 . 02 . 2020

Unter dem Titel „Das Ende vom Müll: Produkte als Rohstofflager?" hat Bettina Hoffmann auf dem Grünen Wirtschaftskongress mit Vertreter*innen von Wirtschaft, Verbänden und EU-Kommission diskutiert, wie der Einstieg in eine ressourcenleichte, klimaschonende und giftfreie Kreislaufwirtschaft gestaltet werden kann.

Nora Griefahn, Vorständin der Cradle2Cradle NGO forderte, Produktdesign komplett neu zu denken, damit alle Produkte in biologischen oder technologischen Kreisläufen geführt werden könnten. Kleine Reparaturmaßnahmen im bestehenden System reichten hierfür nicht aus.

Dietmar Böhm, Vorstand der GreenCycle Stiftung der Schwarz-Gruppe, die für das Abfallmanagement von Lidl und Kaufland verantwortet, stimmte zu, dass recyclingfreundliches Produktdesign ein wesentlicher Hebel für geschlossene Wertstoffkreisläufe ist. Dennoch dürfe das bestehende Recycling in Deutschland nicht schlecht geredet werden. Im derzeitigen System, sei Recycling die ökologisch beste Option zur Verwertung von Abfällen und die deutsche Recycling-Industrie verfüge über entsprechende Technik und Knowhow. 


Helmut Maurer von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission erklärte, dass Recycling auch in Zukunft zentraler Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft sein müsse. Noch wichtiger sei aber, Abfälle möglichst zu vermeiden. Die EU-Kommission plane deshalb eine Gesetzesinitiative für eine nachhaltige Produktpolitik. Herstellende Unternehmen müssten Produkte so gestalten, dass sie möglichst langlebig, wiederverwendbar und am Ende der Nutzungsdauer einfach zu recyceln sind. Kreislaufwirtschaft sei vor allem ein intelligentes Management von Stoffströmen.

Was das in der Praxis bedeutet, erklärte Henning Siedentopp am Beispiel seiner Modefirma Melawear. Das Unternehmen verwendet nur sortenreine Materialien, die vollständig recycelt werden können. Für das Unternehmen ist es wirtschaftliche attraktiv ausgediente Kleidungsstücke wieder zurückzunehmen und Rohstoffe mehrfach wiederzuverwenden. Auch lange und intransparente Lieferketten könnten so vermieden werden.

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