Zettelwirtschaft ist überholt

Chemikalien in Kassenbons bleiben ein Problem

13 . 12 . 2019

Anfang des Jahres treten zwei Neuregelungen in Zusammenhang mit Kassenbons in Kraft. Zum einen wird eine Bon-Pflicht eingeführt, um Steuerbetrug zu vermeiden. Zum anderen wird die Chemikalie Bisphenol A in Kassenbons verboten. Dazu hat Bettina Hoffmann folgende Rede im Bundestag gehalten:

Die Debatte um Kassenzettel bringt noch mal ein anderes Problem auf den Tisch: Wir sprechen wieder über die Farbentwickler, mit denen das Thermopapier funktioniert. Bislang wurde vor allem Bisphenol A eingesetzt. Dieser hormonstörende Stoff verursacht große Probleme. Zuallererst ist Bisphenol ein Risiko für die Kassiererinnen und Kassierer. Sie kommen täglich über Stunden damit in direkten Kontakt. Es wird über die Haut aufgenommen und ist schon in Spuren gefährlich. Ein anderes Problem ist, dass phenolhaltiges Thermopapier absolut nicht für eine Kreislaufwirtschaft geeignet ist. Natürlich landen die Bons auch im Altpapier und sind am Ende zum Beispiel auch in Toilettenpapier zu finden, das qua Definition für den direkten Kontakt mit der Haut gedacht ist. All das haben Sie nicht bedacht!

Ab dem 1.1.2020 ist der Einsatz von Bisphenol A in Thermopapier verboten. Also nun Entwarnung? Leider nicht. Weiterhin bleibt der Einsatz von Bisphenol S erlaubt. Es steht unter Verdacht, Embryonen zu schädigen und kann und die Fruchtbarkeit einschränken. Man muss sich mal vorstellen wie viele Leute mit den Massen an Zetteln in Kontakt kommen werden. Neben den vielen Bäckereifachverkäuferinnen natürlich auch zahllose Finanzbeamte. Wollen sie das?

Alltagsprodukte wie Thermopapier dürfen nur auf den Markt kommen, wenn sie kein Risiko für unsere Gesundheit sind und sicher im Kreislauf geführt werden können. Die Verwendung des heute gängigen Thermopapiers müsste ausgeschlossen werden. Seinen Einsatz jetzt noch zu puschen, trotz der bekannten Risiken, ist fahrlässig.

Zurück zur Gesetzesvorlage: Natürlich ist es aus Sicht einer Umweltpolitikerin widersinnig Vorschriften zu schaffen, die dafür sorgen, dass kilometerweise noch mehr belastete Kassenbons bedruckt werden. Wir brauchen eher: Vollständige Digitalisierung der Kassen, schnelle Zertifizierung durch Finanzbehörden und ein Markt für bezahlbare Kassensysteme auch für Kleinstunternehmen. Das Signal muss heißen: Kasse machen am Staat vorbei geht nicht. Darunter leiden alle! Ausnahmen an jeder Ecke sind unfair. Aber die Zettelwirtschaft auszuweiten – das ist ganz klar überholt!

 

Hintergrund: