Fachgespräch: Rohstoffbilanz der Elektromobilität verbessern

25 . 10 . 2019

Für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus, zum Beispiel für Smartphones und Notebooks, werden Rohstoffe benötigt, die oft unter schlechten sozialen und ökologischen Bedingungen abgebaut werden. Doch erst die Elektromobilität hat eine breite Debatte über den wachsenden Rohstoffbedarf ausgelöst. Bei unserem Fachgespräch haben Grüne im Bundestag mit ExpertInnen aus Wissenschaft, Verbänden und Industrie Maßnahmen diskutiert, wie die schädlichen Auswirkungen verringert werden können.

Prof. Dr. Maximilian Fichtner vom Helmholtz-Institut Ulm machte in seinem Vortrag zunächst deutlich, dass mit einem wachsenden Anteil an Elektroautos die Abhängigkeit vom umweltschädlichen Erdöl gesenkt werde. Er erwarte, dass bis Mitte des nächsten Jahrzehnts gar kein Kobalt mehr in den Akkus benötigt werde.

Merle Groneweg von PowerShift e. V. verwies darauf, dass ein Drittel aller Menschenrechtsverletzungen im Rohstoffabbau stattfinde. Schon heute sei Deutschland fünftgrößter Importeur metallischer Rohstoffe und die Autoindustrie verbrauche fast die Hälfte des in Deutschland verarbeiteten Aluminiums. Bei Autos mit Verbrennungsmotor ist insbesondere Platin ein problematischer Rohstoff, der für Katalysatoren benötigt werde. Durch den Hochlauf der Elektromobilität gebe es Bedarfssteigerungen bei weiteren Rohstoffen, vor allem Lithium, Kobalt, Graphit und Nickel. Frau Groneweg empfahl, die ab 2021 geltende EU-Konfliktmineralien-Verordnung auf weitere Rohstoffe auszuweiten, da sie derzeit das einzige Instrument für unternehmerische Sorgfaltspflichten sei. Zudem sei ein Gesetz zur Lieferkettenverantwortung im Sinne der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte einzuführen und die EU-Handelspolitik insgesamt sozial und ökologisch verantwortungsbewusst zu gestalten. Klar sei auch, dass eine reine Antriebswende nicht nachhaltig sei. Deshalb müsse die Anzahl der Autos insgesamt reduziert und eine Rohstoffwende eingeleitet werden.

Dr. Christian Hagelüken vom Recyclingunternehmen Umicore warnte davor, die sozialen und ökologischen Probleme beim Rohstoffabbau alleine der Elektromobilität zuzuschreiben. Akkus und Rohstoffe würden auch in zahlreichen anderen Bereichen genutzt. Alleine aus den Geräten, die jedes Jahr unsachgemäß entsorgt würden, ließe sich genug Kobalt für drei bis vier Millionen Elektroautos gewinnen. Voraussetzung für ein gutes Recycling sei aber, dass die Batterien überhaupt in den Recyclingprozess gelangten. Hier könnten Pfand- oder Leasingsysteme sinnvoll sein.

Insgesamt hat das Fachgespräch verdeutlicht, dass die Rohstoffbilanz der Akkuproduktion zügig verbessert werden muss, nicht nur im Hinblick auf die Elektromobilität. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, endlich ein Gesetz über unternehmerische Sorgfaltspflichten einzuführen und auf UN-Ebene an der Erarbeitung eines rechtsverbindlichen Abkommens über Wirtschaft und Menschenrechte mitzuwirken. Zudem brauchen wir ambitionierte Sammelziele für Altbatterien aus Elektrofahrzeugen, separate Recyclingquoten für Technologiemetalle sowie Mindesteinsatzquoten für Rezyklate in neuen Produkten. Damit können wir das Recycling weiter verbessern und den Primärrohstoffbedarf abmildern.

Ein ausführlicher Bericht vom Fachgespräch gibt es hier auf der Seite der Grünen Bundestagsfraktion