Alarmierende Funde von multiresistenten Keimen in hessischen Flüssen

Einsatz von Antibiotika in der deutschen Tierhaltung muss deutlich sinken

26 . 08 . 2019

Zur Berichterstattung des Hessischen Rundfunks zum erneuten Fund von multiresistenten Keimen in Oberflächengewässern erklärt Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltpolitik und Umweltgesundheit:

"Die Funde von multiresistenten Keimen in hessischen Flüssen sind alarmierend. Die zunehmende Resistenzbildung gegen lebensrettende Antibiotika und die Verbreitung von multiresistenten Keimen in der Umwelt ist eine der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit. Wir brauchen dringend ein entschlosseneres Handeln, um die Verbreitung von multiresistenten Keimen einzudämmen.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Einsatz von Antibiotika in der deutschen Tierhaltung immer noch sehr hoch, er muss deutlich sinken. Die Bundesregierung muss Möglichkeiten fördern, Tiere ohne Antibiotika gesund zu halten, zum Beispiel durch weniger Tiere pro Stall, bessere Belüftung, mehr Auslauf.

Es darf nicht sein, dass es immer wieder von den Medien in Auftrag gegebene Studien sind, die erschreckende Belastungen von Gewässern mit multiresistenten Keimen aufdecken. Wir brauchen kontinuierlich erhobene Daten, die nach einheitlichen Methoden gemessen werden und in einem Bedarfsatlas münden, der das Ausmaß der Belastung mit multiresistenten Keimen darstellt. Hier muss die Bundesregierung mehr Geld in die Hand nehmen, um in eine kontinuierliche Messung und weitere Forschung zu finanzieren.

Auch im Bereich der Humanmedizin besteht Handlungsbedarf, etwa wenn es um die Entsorgung von Krankenhausabwässern geht, die mit Antibiotika oder multiresistenten Keimen belastet sind.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass es zumindest an bestimmten Standorten nötig sein wird, über den Ausbau der Kläranlagen nachzudenken. Ich fordere die Bundesregierung auf, sich jetzt mit den Ländern und Kommunen an einen Tisch zu setzen, um unter anderem die Frage der Finanzierung von zusätzlichen Klärstufen zu erörtern."

Hintergrund:

Die Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen hat bereits am im März 2018 die Bundesregierung in einem Antrag dazu aufgefordert, mehr gegen die Ausbreitung von multiresistenten Keimen zu unternehmen. Die auf Antrag der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen durchgeführte Anhörung im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags hat gezeigt, dass die Fachwelt nahezu geschlossen die Forderungen aus dem Antrag unterstützt. Dennoch wurde er von den Regierungsfraktionen abgelehnt.