Der Grüne Hitzeaktionsplan

zur Vermeidung hitzebedingter Gesundheitsschäden

25 . 07 . 2019

Die Klimakrise ist eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. 2018 gab es allein in Hessen und Berlin über 1000 hitzebedingte Sterbefälle. Durch die Klimakrise werden Hitzewellen immer häufiger. Auf die dadurch verursachten Gesundheitsschäden ist die Bundesregierung nur unzureichend vorbereitet. In einem Grünen Hitzeaktionsplan stellen wir zusammen, was passieren muss, um unsere Gesundheit vor Hitze zu schützen.

Der Lancet Countdown, herausgegeben vom Ständigen Ausschuss der Ärzte der Europäischen Union, bezeichnet den Klimawandel als die größte Bedrohung für die Gesundheit im 21. Jahrhundert. Im vergangenen Jahr waren 18 Millionen mehr besonders gefährdete Personen Hitzewellen ausgesetzt als noch 2016. Im Vergleich zum Jahr 2000 waren es sogar 157 Millionen mehr. Vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch Kleinkinder bekommen die Klimaerhitzung am eigenen Leib zu spüren. Sie sind anfälliger für Hitzekrämpfe oder Dehydrierung und leiden vermehrt unter Herz-Kreislauferkrankungen.

Die Bundesregierung belässt es bisher bei unverbindlichen Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen und wälzt die Verantwortung für eine Anpassung an Extremwetterereignisse auf die Länder und Kommunen ab. Um den Schutz der Bürgerinnen und Bürgern in der Breite sicherzustellen braucht es jedoch eine einheitliche Strategie, wie wir sie im Grünen Hitzeaktionsplan skizzieren.

Es muss sichergestellt werden, dass Bürgerinnen und Bürger einen einfachen Zugang zu Informationen im Umgang mit Hitzewellen haben, zum Beispiel durch ein bundesweites Beratungstelefon.

Gesundheitseinrichtungen müssen besser an Hitzeereignisse angepasst werden, in dem „kühle Räume" oder ein besseres Raumklima durch Gebäudeanpassungen geschaffen werden. Das Recht auf Home-Office für alle Beschäftigten, sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen, kann bei Hitzewellen zum Gesundheitsschutz beitragen. Und auch ArbeitnehmerInnen, die im Freien arbeiten und der Hitze besonders ausgesetzt sind, wie auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder der Gebäudereinigung, müssen bei gesundheitsgefährdender Hitze ein Recht auf Hitzefrei, also reduzierte Arbeitszeit, erhalten. Dort, wo es möglich und nötig ist, schlagen wir Betriebsvereinbarungen vor, mit denen passgenaue Lösungen zum Thema "Hitzefrei" getroffen werden können.

Das Thema Klimawandel und Gesundheit sollte angesichts der weiter zunehmenden Relevanz in Medizinstudiengängen stärker berücksichtigt werden.

Auch städtebauliche Anpassungen sind notwendig, um hitzebedingte Gesundheitsschäden zu vermeiden. Innenstädte, die teilweise bis zu 8 Grad heißer sind als das Umland, machen deutlich, dass wir das Leben in Städten neu denken müssen. Wir wollen, dass es auch im Sommer weiterhin möglich ist, sich im Freien und nicht nur in klimatisierten Innenräumen aufzuhalten. Damit Städte nicht zu Hitzeinseln werden, müssen sie zum Wohl des Klimas und der Menschen begrünt, mit öffentlichen TrinkBars für eine flächendeckende und kostenlose Versorgung mit Trinkwasser ausgestattet und durch Frischluftschneisen gekühlt werden. Wasserflächen und Parks oder Gründächer und –fassaden wirken wie natürliche Klimaanlagen. Um bei der Finanzierung solcher Maßnahmen zu unterstützen, soll der vorsorgende Gesundheitsschutz gegen klimawandelbedingte Überhitzung in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt integriert und ein neues Bund-Länder-Programm Grüne Infrastrukturen in der Städtebauförderung etabliert werden.

Zur Veröffentlichung des Hitzeaktionsplans erklärt Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltgesundheit:

"Die Klimakrise stellt eine zunehmende Gefahr für die menschliche Gesundheit dar, die Fakten sprechen eine klare Sprache. Während etwa in Frankreich schon seit längerem ein Hitzeaktionsplan auf nationaler Ebene koordiniert wird, wälzt die Bundesregierung ihre Verantwortung für den Schutz vor hitzebedingten Gesundheitsschäden auf die Länder und Kommunen ab.

Die bisherigen unverbindlichen Handlungsempfehlungen der Bundesregierung reichen nicht aus. Zum Schutz der Menschen vor Hitzewellen müssen jetzt konkrete Maßnahmen eingeleitet werden.

Die Regierung muss dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger einen einfachen Zugang zu bundeseinheitlichen Informationen zum Umgang mit Hitzewellen haben, etwa durch ein bundesweites Beratungstelefon. Das Thema Klimawandel und Gesundheit muss in Medizinstudiengängen viel stärker berücksichtigt werden."

Zum Thema "Hitzefrei" für Arbeitnehmer*innen hat sich Bettina Hoffmann in einem Beitrag für die Passauer Neue Presse und andere Regionalzeitungen wie folgt geäußert:

"Die sich häufenden Hitzewellen sind eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Die Zahl der Krankschreibungen wegen Schäden durch Hitze und Sonne hat sich zwischen 2008 und 2017 von 17.700 auf 40.500 mehr als verdoppelt. Weil Hitze die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit senkt, liegt es auch im volkswirtschaftlichen Interesse, Menschen vor Hitze zu schützen. Wenn Bauarbeiterinnen oder Bauarbeiter einen Hitzschlag erleiden, ist der Ausfall dramatischer als wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren.

Arbeitgeber haben bereits eine Fürsorgepflicht bei Hitze am Arbeitsplatz. Unter anderem für Menschen, die auf dem Bau in der prallen Sonne arbeiten, sollte diese Fürsorgepflicht konkretisiert werden. Sie sind neben Hitze auch einer erhöhten Feinstaub-, UV-Strahlen- und Ozonbelastung ausgesetzt.

Andere Länder sind da schon weiter. In Österreich bekommen Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter, denen die Firma ,hitzefrei' gibt, eine gesetzlich geregelte Entschädigung in Höhe von 60 Prozent des Lohnausfalls. Sie wird durch eine Sozialkasse ausgezahlt. Wir schlagen Betriebsvereinbarungen vor, die dort, wo es möglich und nötig ist, passgenaue Lösungen zum Thema Hitzefrei für Beschäftigte regeln. Das wäre ein guter Anfang.

Eine reduzierte Arbeitszeit sollte jedoch immer nur das letzte Mittel sein. Das Recht auf Homeoffice für alle Beschäftigten, sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen, kann bei Hitzewellen zum Gesundheitsschutz beitragen. Auf dem Bau sind etwa Sonnensegel eine Option, im Büro eine Lockerung von Bekleidungsvorschriften oder angepasste Pausenregelungen."

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