Export von Plastikabfall nach Malaysia mehr als verzehnfacht

Deutschland darf Ausland nicht als Mülldeponie missbrauchen

23 . 06 . 2019

China hat Anfang 2018 eine Importbeschränkung für verschiedene Abfallströme erlassen. Dieser Importstopp betrifft insbesondere unsortierte Kunststoffabfälle. Zuvor wurden aus Deutschland rund 560.000 Tonnen Kunststoffmüll nach China exportiert – vor allem Industrie- und Gewerbeabfälle.

Nach den chinesischen Importbeschränkungen haben Ausweichbewegungen eingesetzt. Statt die Kunststoffabfälle einem hochwertigen Recycling in Deutschland zuzuführen, hat sich die Industrie andere Zielländer für ihre Exporte gesucht. Malaysia ist inzwischen das wichtigste Zielland für Abfallexporte aus Deutschland, 13 Prozent der insgesamt 1,04 Mio. Tonnen exportierten Kunststoffabfälle gingen 2018 nach Malaysia. Die Abfälle landen dort auf ungesicherten, teils illegalen Deponien. Das ist mit massiven Umweltfolgen aber auch Gefahren für die Gesundheit der Menschen vor Ort verbunden. Malaysia hat inzwischen angekündigt, Kunststoffabfälle in die Ursprungsländer zurückzuschicken. Für den deutschen Plastikmüll ist der Bundesregierung keine solche Ankündigung bekannt.

Anfang Mai wurde im Rahmen des Baseler Übereinkommens ein Exportverbot für unsortierte und gefährliche Kunststoffabfälle beschlossen. Den massenhaften Eintrag von Plastikmüll in die Umwelt wird dieses Abkommen jedoch nicht umfassend verhindern.

In einer Antwort auf eine Schriftliche Frage von Bettina Hoffmann legt die Bundesregierung nun dar: 2018 wurden 130.000 Tonnen Kunststoffabfall aus Deutschland nach Malaysia exportiert (vorläufige Zahlen). Das entspricht einer Steigerung von knapp 73 Prozent im Vergleich zu 2017. 2017 beliefen sich die Exporte von Kunststoffabfall nach Malaysia noch auf 75.242 Tonnen. In den vergangenen 10 Jahren haben sich die Exporte von Kunststoffabfall aus Deutschland nach Malaysia insgesamt mehr als verzehnfacht; 2009 wurden noch 12.065 Tonnen nach Malaysia exportiert.

Dazu erklärt Bettina Hoffmann:

"Deutschland darf Staaten wie Malaysia nicht länger als Mülldeponie für unseren Plastikabfall missbrauchen. Plastikmüll der in Deutschland anfällt, muss auch hier verwertet werden. Dafür muss die Bundesregierung endlich ein Abfallvermeidungsziel gesetzlich verankern und mehr Recyclingkapazitäten schaffen.
Die im Mai beschlossene Verschärfung des Basler Abkommen kann nur ein erster Schritt sein, um die Verschmutzung der Meere mit Plastik einzudämmen. Notwendig ist ein generelles Exportverbot für Plastikabfälle in Länder, in denen die Recycling-Infrastruktur schlechter ist als in Deutschland.
Damit unser Planet nicht an Plastik erstickt, braucht es darüber hinaus ein internationales Abkommen, das die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, den Eintrag von Plastik in die Umwelt bis zum Jahr 2030 zu stoppen. Dieses globale Ziel muss durch verbindliche, nationale Zielvereinbarungen und Maßnahmenpläne untermauert sein. Ein solches Abkommen nimmt alle Staaten in die Pflicht, ihren Beitrag zum Schutz der Meere und zur Reduzierung des Plastikmülls zu leisten. Es schafft eine verbindliche Basis für eine internationale Kooperation beim Kampf gegen die Vermüllung der Erde."

Hier berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland über die Anfrage.