Bisphenol A bleibt zu lange im Umlauf

Unser Ziel muss eine Umwelt ohne Gifte sein

24 . 06 . 2019

Anlässlich der Berichterstattung über Bisphenol A als möglicher Auslöser der Kreidezahn-Krankheit bei Kindern und Jugendlichen hat Bettina Hoffmann eine Kleine Anfrage zu Bisphenol A und anderen hormonaktiven Substanzen an die Bundesregierung gestellt.

In der Antwort auf die Kleine Anfrage führt die Bundesregierung aus, dass auf Initiative Deutschlands ein Verfahren angestoßen wurde, an dessen Ende eine weitreichende Entscheidung stehen könnte: Die Verwendung von Bisphenol A als Endprodukt wäre dann ohne ausdrückliche Zulassung durch die EU-Chemikalienbehörde nicht mehr zulässig.

Bereits jetzt ist Bisphenol A auf Grund seiner fortpflanzungsschädigenden und endokrin schädlichen Eigenschaften als sogenannter „besonders besorgniserregender Stoff" (SVHC) im Rahmen der REACH-Verordnung identifiziert worden.

Im Gegensatz zu Frankreich verhält sich die Bundesregierung sehr abwartend in der Frage einer nationale Beschränkung des Einsatzes von BPA – obwohl es BPA klar als „besonders besorgniserregend" einstuft.

Die Bundesregierung schließt sich weiterhin der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) an, dass ein Zusammenhang zwischen Kreidezähnen und Bisphenol A „unwahrscheinlich" sei. Diese Einschätzung ist umstritten: So wird etwa in einem Beitrag des ARD-Magazins PlusMinus dargestellt, dass Fachärzte und Wissenschaftler der Einschätzung des BfR widersprechen.

Dazu versucht die Bundesregierung die Bedeutung von MIH herunterzuspielen, indem sie darauf hinweist, die Mehrheit der betroffenen Kinder im Alter unter 12 Jahren von einer leichten Form von MIH betroffen ist. Insgesamt wird aber deutlich, dass mehr als jedes vierte Kind von MIH betroffen ist.

Auch dem Ansatz Frankreichs, das den Einsatz von Bisphenol A in allen Lebensmittelkontaktmaterialien verboten hat, will die Bundesregierung nicht folgen: „Für ein generelles Verbot von BPA in Lebensmittelbedarfsgegenständen liegt nach Einschätzung der Bundesregierung keine wissenschaftliche Grundlage vor. Auch das BfR hält ein solches Verbot aus Gründen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes nicht für erforderlich".

Weiterhin zeigt die Bundesregierung kein Interesse, an den Fragen zur Forschung zu Alternativen von Bisphenol A und an der Förderung von Forschungsvorhaben mit dem Ziel, den Einsatz von hormonaktiven Substanzen in Kunststoffen zu unterbinden.

Der Bundesregierung liegen darüber hinaus nach eigenen Angaben keine Informationen über die Menge der verwendeten Tonnagen von BPA in Deutschland vor.

Dazu erklärt Bettina Hoffmann:

"Die Bundesregierung verhält sich bei der Regulierung des Hormongiftes Bisphenol A seltsam ambivalent. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Bundesregierung zwar die schädigende Wirkung von Bisphenol A anerkennt, aber einfach abwartet und dessen Einsatz weiter erlaubt.

Während die Lebensmittelindustrie weiterhin große Mengen der hormonaktiven Substanz nutzt, vertrauen die Bürgerinnen und Bürger umsonst darauf, dass die Bundesregierung sie vor giftigen Chemikalien schützt. Gefährliche Stoffe bleiben trotz großer Bedenken zu lange im Umlauf.

Ich fordere die Bundesregierung auf, endlich aktiv zu werden und Bisphenol A sofort in allen Lebensmittelkontaktmaterialien zu verbieten, so wie es Frankreich bereits getan hat.

Die Hinweise für die Schädlichkeit der Massenchemikalie Bisphenol A sind erdrückend. Es ist völlig klar, dass die EU den Einsatz jetzt umfassend einschränken muss, wenn sie das Vorsorgeprinzip ernst nimmt. Die Bundesregierung sollte jetzt den Weg weitergehen, den sie begonnen hat und in Brüssel für eine umfassende Beschränkung von Bisphenol A eintreten. Das Ziel muss gerade mit Blick auf unsere Kinder eine Umwelt ohne Gifte sein.

Der Umgang mit Bisphenol A zeigt, dass das REACH-Verfahren viel zu langsam funktioniert. Schon bevor REACH eingeführt wurde, gab es deutliche Hinweise darauf, dass die Bevölkerung vor Bisphenol A geschützt werden muss. Seit 10 Jahren ist kaum etwas passiert. Die REACH-Verfahren müssen schneller werden und den vorsorgenden Gesundheitsschutz viel mehr in den Vordergrund stellen."

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