Feinstaub-Schleuder Kohlekraft

Bundesregierung verfährt nach dem Motto: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß."

08 . 05 . 2019

Dass Kohlemeiler auch UFP-Schleudern sein können, haben Experten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und australische Kollegen in einer Langzeit-Messkampagne über 15 Jahre ermittelt. Dabei betrachteten sie auch die Atmosphäre außerhalb von Großstädten und Ballungsgebieten – in Europa, Australien und China. Die Forscher stellten fest, dass die Konzentration des Ultrafeinstaubs auch in vielen abgelegenen Gebieten stetig ansteigt, die zusätzlichen Partikel jedoch keinen natürlichen Ursprung haben. In der Natur werden die feinen Partikel normalerweise durch Ereignisse wie Waldbrände, Staubstürme oder Vulkanausbrüche erzeugt, meist jedoch nicht im Nanometer-Bereich, wie sie in der Messkampagne gefunden wurde.

Gemeinsam mit Lisa Badum hat Bettina Hoffmann zu diesem Thema eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet.

Die Frankfurter Rundschau berichtet hier ausführlich über die Antwort der Bundesregierung.

Bettina Hoffmann erklärt dazu:

"Die WHO stuft feinen Feinstaub, der auch Ultrafeinstaub umfasst, als krebserregend ein. Die Antwort der Bundesregierung offenbart, dass ein systematisches Monitoring von Ultrafeinstaub weiterhin nicht stattfindet und offenbar auch nicht geplant ist. Die Bundesregierung spielt hier mit der Gesundheit der Bevölkerung und verfährt nach dem Motto "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß."

Zur besseren Erforschung der Gesundheitsbeeinträchtigungen ist eine Ausweitung der Ultrafeinstaubmessungen dringend erforderlich. Dazu gehört, Messungen auch an möglicherweise besonders belasteten Standorten wie Kohlekraftwerken durchzuführen. Denn erst, wenn bessere Daten verfügbar sind, kann darüber entschieden werden, inwieweit etwa Grenzwerte für Ultrafeinstaub erlassen werden sollten.

Konkret könnte die Bundesregierung etwa im Rahmen der derzeitigen Novelle der europäischen Luftqualitätsrichtlinie darauf dringen, eine Monitoringverpflichtung für Ultrafeinstaub festzuschreiben."