Mehrwegquote auf Rekordtief

Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage "Sammlung und Verwertung von Einwegpfandflaschen"

17 . 09 . 2018

Eine Kleine Anfrage, die Bettina Hoffmann zur Entwicklung der Mehrwegquote an die Bundesregierung gestellt hat, ergibt ein desaströses Bild:

Der Einweganteil ist seit 2004 um 20 Prozentpunkte gestiegen: 2016 lag der Einweganteil bei Getränkeverpackungen in Deutschland bei 66,11 Prozent, 2004 waren es noch 46,9 Prozent. Bei unbepfandeten Getränkeverpackungen etwa für Saft oder Milch lag der Einweganteil 2016 sogar bei 95,6 Prozent.

212 Einweg-Plastikflaschen pro Kopf und Jahr: 2015 kamen in Deutschland rund 17,4 Mrd. Einweg-PET-Flaschen mit einem Gesamtgewicht von 454.900 Tonnen auf den Markt. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt demnach bei 212 Einweg-PET-Flaschen. Nebeneinander gestellt, würden die Flaschen eine Schlange ergeben, die fast 35 Mal um die Erde herum reicht (Annahme: Flaschenbreite = 8 cm).

Bettina Hoffmann erklärt dazu:

„Umweltschädliche Einwegflaschen boomen und verdrängen die ökologischeren Mehrwegflaschen vom Markt. Das ist schlecht für die Umwelt und es schadet dem deutschen Mittelstand. Dazu gehören etwa kleine Privatbrauereien und der Getränkehandel, die das Mehrwegsystem tragen.

Doch anstatt eine Mehrwegoffensive auf den Weg zu bringen, schaut die Bundesregierung nur tatenlos zu. Sie muss jetzt konkrete Maßnahmen für eine Trendwende angehen. Statt unverbindlicher Ziele brauchen wir eine sanktionierbare Mehrwegquote.

Wir fordern: Vier von fünf Getränkeverpackungen müssen im Jahr 2025 wieder Mehrwegflaschen sein. Der Handel braucht Anreize, um wieder auf Mehrweg zu setzen. Dazu gehört eine Abgabe auf umweltschädliche Einwegverpackungen.
Außerdem soll das Pfandsystem verbraucherfreundlicher werden. Die Bundesregierung muss dafür das Pfandchaos beenden, das die Verbraucherinnen und Verbraucher seit Jahren an den Rücknahmeautomaten der Supermärkte nervt.

Die Bundesregierung hat zwar eine Mehrwegquote von 70 Prozent in das ab Januar 2019 geltende Verpackungsgesetz geschrieben, diese ist aber weder mit konkreten Maßnahmen untermauert noch kann das Nichteinhalten der Quote sanktioniert werden. Die geplante Regalkennzeichnung von Einweg- und Mehrweg im Geschäft wird auch nicht die notwendige Klarheit für Verbraucher*innen schaffen. Eher ist zu befürchten, dass einige Händler aus logistischen Gründen gleich ganz auf ein Mehrwegsortiment verzichten, um die Auflagen zur Regalkennzeichnung besser erfüllen zu können."

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