Globaler Plastikgipfel jetzt!

Den Kampf gegen immer mehr Plastikmüll auf allen Ebenen führen

15 . 09 . 2018

Unser Planet erstickt im Plastikmüll. Ob im Eis der Arktis, in den Quellbächen der Hochgebirge oder in den unendlichen Weiten der Ozeane – überall hinterlässt unsere Wegwerfgesellschaft ihre Spuren. Von den mindestens 32 Millionen Tonnen Plastik, die jährlich in die Umwelt gelangen, werden zu 13 Millionen Tonnen in die Meere gespült. Fünf riesige Müllstrudel treiben in den Ozeanen. Doch selbst das ist nur die Spitze des Müllbergs. Nur ein Prozent des Plastikmülls schwimmt an der Meeresoberfläche. Der riesige Rest schwebt in Kleinstpartikeln im Wasser oder sammelt sich für Jahrhunderte am Meeresgrund. Geht es so weiter ist 2050 mehr Plastik als Fisch im Meer.

Die zunehmende Verschmutzung von Wasser, Böden und Luft mit Mikroplastik ist auch eine Gefahr für unsere Gesundheit. Studienergebnisse zeigen, dass Nanoplastik die Blut-Hirn-Schranke bei Fischen passieren kann. Klar ist, dass die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Plastik-Additiven wie Phthalaten und Bisphenol A bereits nachgewiesen sind und unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hormonelle Veränderungen insbesondere bei Kindern in der Wachstumsphase zur Folge haben können.

Immer mehr Länder starten Initiativen zur Vermeidung von umweltschädlichem Einwegplastik. Allein in den letzten Wochen haben mit Burundi, Neuseeland, Uruguay, Chile und Australien fünf Länder beschlossen, Plastiktüten zu verbieten. Viele Bürgerinnen und Bürger treibt die Vermüllung der Meere um. Sie versuchen ein Zeichen zu setzen, indem sie Plastik fasten oder in Unverpackt-Läden einkaufen. Aktivistinnen protestieren bei Plastic-Attacs vor Supermärkten gegen unnütze Verpackungen.

Am 15. September findet Coastal Clean Up Day statt, an dem Surferinnen und Strandanwohner auf der ganzen Welt dazu aufrufen, die Strände zumindest für einen Tag von Plastikmüll befreien. Die Menschen fordern die Politik zum Handeln auf. Und in der Tat ist es an der Zeit, dass die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit den Regierungen gegen die Plastikflut kämpfen.

Die Vermüllung jedes letzten Winkels der Erde mit Plastik ist eine vergleichbare Bedrohung für unseren Planeten. Sie zu stoppen erfordert eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Staaten. Der beste Rahmen dafür ist ein globales Plastikabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen. Die Bundesregierung sollte sich auf internationaler Ebene intensiv für ein solches Abkommen einsetzen.

Verhandlungen für ein globales Plastikabkommen dürfen dabei keine Ausrede sein, um zu Hause die Hände in den Schoß zu legen. Nirgendwo anders in Europa fällt mehr Verpackungsmüll an als in Deutschland. Und auch von hochwertigem Recycling kann nicht die Rede sein. 60 Prozent des Plastikmülls werden in Deutschland nach wie vor verbrannt. Statt Programme zur Vermeidung von Plastikmüll oder Innovationen für mehr und hochwertigeres Recycling voranzutreiben, ruht sich die Bundesregierung immer noch auf der vermeintlichen Vorreiterrolle des Recycling-Weltmeisters Deutschland. Dem setzen wir GRÜNE eine Plastikstrategie entgegen.

Dieser  Text erschien zuerst als Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau vom 14.09.2018.