Amalgam-Verbot

Deutschland muss Skandinavien folgen

29 . 06 . 2018

ab dem 1. Juli 2018 darf Amalgam nach EU-Quecksilber-Verordnung nicht mehr bei Kindern unter 15 Jahren und von Schwangeren oder Stillenden verwendet werden. Dazu erklärt Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltgesundheit:

"Es ist gut, dass neue Amalgamfüllungen ab sofort für Kinder, Schwangere und Stillende tabu sind. Die Entwicklung darf hier aber nicht stehen bleiben. Die Bundesregierung sollte dem Beispiel von Dänemark, Schweden und Norwegen folgen. In diesen Ländern wird vollständig auf den Einsatz von Amalgam-Alternativen gesetzt.

Auch wenn bestehende Amalgamfüllungen nach Einschätzung von Fachleuten für die Patienten möglicherweise ungefährlich sind, sollte aus dem Vorsorgeprinzip zum Schutz der Gesundheit besser auf Amalgam-Alternativen gesetzt werden. Das schützt auch das medizinische Personal, das die Behandlungen durchführt und mit den Materialien umgeht.

Amalgam besteht rund zur Hälfte aus Quecksilber. Wird dieses freigesetzt, stellt es ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem mit nicht völlig abschätzbaren Folgen dar.

In der Umwelt macht Quecksilber erhebliche Probleme, da es weder biologisch noch chemisch abbaubar ist und sich in der Nahrungskette anreichert. Flächendeckend über alle Flussgebiete lässt sich mehr Quecksilber in Fischen finden als die Umweltqualitätsnorm vorgibt.

Deshalb muss jede Möglichkeit genutzt werden, um den weiteren Eintrag von Quecksilber in die Umwelt zu minimieren. Dazu gehört, den Einsatz von Amalgam in der Zahnmedizin zu beenden."

Hintergrund:

Bei der Verarbeitung, dem Legen und Entfernen von Amalgamfüllungen sowie durch Feuerbestattungen, die in Deutschland am häufigsten angewendete Bestattungsart, entstehen Quecksilber-Emissionen. Bei zahnmedizinischen Behandlungen können sich die Reststoffe quecksilberhaltiger Abfälle in den Filtersieben der Amalgamabscheider anlagern. Dies stellt auch bei sachgerechter Entsorgung ein Risiko für das Ökosystem Wasser und schließlich für den Menschen dar.

Im Januar 2013 wurde die Quecksilberverordnung der Vereinten Nationen, die sogenannte „Minamata-Konvention", abschließend verhandelt. In Deutschland wurde das Übereinkommen am 15.09.2015 ratifiziert und der Text des internationalen Abkommens unverändert angenommen.

Auf EU-Ebene wird die Konvention durch die Verordnung (EU) 2017/852 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2017 über Quecksilber und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nummer 1102/2008 umgesetzt. Sie gilt seit dem 01. Januar 2018 unmittelbar auch in Deutschland.

In der Verordnung wird auch ein schrittweiser Verzicht („phase down") von Dentalamalgam angestrebt. Für bestimmte Risikogruppen – Kinder unter 15 Jahren, Schwangere und Stillende – schreibt die Richtlinie bereits ab dem 01. Juli 2018 einen kompletten Verzicht auf Dentalamalgam vor, außer der Zahnarzt erachtet eine solche Behandlung aus medizinischen Gründen als erforderlich.

Weiterführender Link: UBA - Häufige Fragen zu Quecksilber